29 June 2026, 18:53

Bachmann-Preis 2024: Wirtschaftskritik und scharfe Abrechnungen in Klagenfurt

Gegen alles in Frontalopposition

Bachmann-Preis 2024: Wirtschaftskritik und scharfe Abrechnungen in Klagenfurt

Die 50. Tage der deutschsprachigen Literatur rückten die Wirtschaft in den Mittelpunkt – die Jury verwies in ihren Kommentaren immer wieder auf finanzielle Nöte. Der renommierte Bachmann-Preis setzte erneut auf mutiges Erzählhandwerk und scharfe Gesellschaftskritik.

Besonders für Aufsehen sorgte Slata Roschal, die unmittelbar nach ihrer Lesung ihren Abgang ankündigte. Sie verweigerte die Auseinandersetzung mit der Jury und kritisierte die Literaturbetriebe scharf: Die Fördergelder seien karg, die Gewinnmargen für Autor:innen kläglich. Ihr eingereichter Text, der zwar prekäre Verhältnisse streifte, konzentrierte sich vor allem auf die Mechanismen der Literaturszene selbst.

Die Jury zeigte sich indes mehrheitlich zufrieden. Gelobt wurden einfallsreiche Ideen und prägnante Formulierungen, nur wenige Texte wurden rundweg abgelehnt. Schaette ging als große Gewinnerin des Abends hervor: Sie erhielt sowohl den mit 30.000 Euro dotierten Hauptpreis als auch den Publikumspreis für ihren Text „Was wir tragen“.

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Weitere Auszeichnungen gingen an Kinga Tóth, die mit dem KELAG-Preis für ihren sprachlichen Witz und die polyphone Darstellung eines „Ostblock-Mädchens“ und dessen alltägliche Demütigungen geehrt wurde. Ozan Zakariya Keskinkılıç erhielt den Deutschlandfunk-Preis für „Vater ohne Sohn“, eine Geschichte aus der Perspektive eines schwulen Vaters.

Eine Hommage galt zudem Ingeborg Bachmanns Hörspiel „Der gute Gott von Manhattan“*, in dem der Allmächtige selbst auf der Anklagebank sitzt – und nach der Wahrheit freigesprochen wird.

Das diesjährige Festival unterstrich die prekären wirtschaftlichen Realitäten vieler Schriftsteller:innen. Während die Preisträger:innen mit Auszeichnungen und Anerkennung nach Hause gingen, hinterließen die Debatten Spuren in der Literaturszene. Die 50. Ausgabe bewies einmal mehr: Der Wettbewerb bleibt so diskussionswürdig wie eh und je.

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