23 April 2026, 14:50

«Kim» feiert rauschende Premiere in Berlin: Ein Stück über Identität und Schweigen

Eine farbenfrohe Papierreproduktion, die die Lebensphasen von Frauen von der Kindheit bis ins hohe Alter zeigt, mit fetter Schrift und detaillierten Elementen.

«Kim» feiert rauschende Premiere in Berlin: Ein Stück über Identität und Schweigen

Premierenabend in Berlin: Kim begeistert ausverkauftes Haus

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Ein ausverkauftes Publikum versammelte sich im Berliner Vaganten Bühne in Charlottenburg zur Uraufführung von Kim. Die Bühnenadaption von Kim de l'Horizons preisgekröntem Debütroman erkundet Identität, Erinnerung und die Last der Familiengeschichte. Drei Schauspieler:innen – Julian Trostorf, Annemie Twardawa und Emma Zeisberger – teilen sich die Rolle der Hauptfigur Kim und verleihen ihrer fließenden Reise Leben.

Die Geschichte beginnt mit Kims Rückkehr in die Schweizer Vorstadt ihrer Kindheit, ausgelöst durch die Demenz ihrer Großmutter. Unter einer Blutbuche, die ihr Urgroßvater einst pflanzte, findet Kim einen brüchigen Halt. Dieser Baum wird zum Symbol für Wurzeln und Zugehörigkeit in einer Welt, in der ihr Körper sich binären Zuordnungen entzieht.

Auf der Bühne spiegelt das Bühnenbild Kims innere Zerrissenheit wider. Zerschlissene, beige Strumpfhosen hängen von der Decke, gefüllt mit Sand und Bällen, und schwingen wie ungelöste Fragen. Das Stück verfolgt transgenerationale Traumata und deckt die Schweigespuren von Kims mütterlicher Linie auf – Geschichten, die frühere Generationen begraben haben.

Kims Kampf gilt nicht nur den Geschlechterrollen, sondern auch der Scham selbst. Ihr Weg zwingt sie, das Schweigen zu brechen und Selbstzweifel in eine Form der Akzeptanz zu verwandeln. Der Roman, der 2022 sowohl mit dem Deutschen als auch dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet wurde, findet nun auf der Bühne eine neue, rohe und ungeschönte Stimme.

Die Premiere markiert einen mutigen Schritt, Kims Geschichte über das Buch hinaus zu tragen. Indem das Stück unverarbeitete Traumata aufdeckt, fordert es das Publikum auf, eine Verwandlung mitzuerleben – von Scham zu Stärke, von Schweigen zu Sprache. Die ausverkaufte Vorstellung unterstreicht die wachsende Nachfrage nach Erzählungen, die sich einfachen Kategorien entziehen.

Quelle