17 June 2026, 16:37

Rébecca Chaillons provokante Theaterparabel über Körperwut und gesellschaftliche Normen

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Rébecca Chaillons provokante Theaterparabel über Körperwut und gesellschaftliche Normen

Eine mutige neue Inszenierung: Die Parabel des Zorns feiert unter der Regie von Rébecca Chaillon Premiere

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Mit Die Parabel des Zorns (La Parabole du Seum) bringt die avantgardistische Theaterregisseurin Rébecca Chaillon eine provokante Auseinandersetzung mit den Lebensrealitäten dicker Menschen auf die Bühne – und stellt damit gesellschaftliche Normen von Körperlichkeit und Identität radikal infrage. Chaillon, eine Kultfigur des experimentellen Theaters, ist für ihre schonungslosen Werke bekannt, die Diskriminierung ungeschönt thematisieren.

Die Performance beginnt mit Darstellern in goldener Unterwäsche, die sich in provokanten Szenen präsentieren: von Fressorgien bis zu Bodybuilder-Posen, während sie sich gleichzeitig für ihre Körper entschuldigen – Körper, die sie selbst als „grenzüberschreitend“ beschreiben. Offene Schilderungen eigener Kämpfe mit Essen und Selbstbild verleihen dem Spektakel eine schonungslose Ehrlichkeit.

Julie Teuf, eine der Performerkünstlerinnen, verteilt Butter an das Publikum, lädt zum Kosten ein und verlost einen ungewöhnlichen Preis: ein Zehntel des Körpergewichts der Gewinnerin in Lebensmitteln – eine bewusste Anspielung auf die gesellschaftliche Besessenheit von Waage und Vermessung.

Die Inszenierung parodiert Szenen aus der Abnehm-Show The Biggest Loser und entlarvt deren groteske Absurdität. Mit fast drei Stunden Spielzeit ist die Aufführung ungewöhnlich, berührend und mitunter zäh. Der Titel La Parabole du Seum spielt mit Mehrdeutigkeiten: „Parabel“, „Satellitenschüssel“ und „seum“ – ein Slangausdruck für Wut oder Frust. Inspiriert ist das Stück zudem von Octavia Butlers Roman Parable of the Sower (Die Parabel der Säerin), der die „Magie des Glaubens“ im Alltag erkundet.

Was bleibt, ist ein nachhaltiger Eindruck durch den kompromisslosen Blick auf die Politik des Körpers. Durch die Mischung aus Satire, Geständnis und Publikumseinbindung zwingt die Performance zur Konfrontation mit gesellschaftlichen Einstellungen. Die Verlosung, die Butter, die goldene Unterwäsche – alles wirkt als scharfe Mahnung an die zentralen Themen des Stücks.

Quelle