"Ringel, Ringel, Reihe": Warum das Kinderlied nichts mit der Pest zu tun hat
Lutz Kühnert"Ringel, Ringel, Reihe": Warum das Kinderlied nichts mit der Pest zu tun hat
Das Kinderlied „Ringel, Ringel, Reihe“ wird seit langem mit der Großen Pest von London in Verbindung gebracht. Viele glauben, dass die Liedzeilen die Symptome der Pest und den Tod beschreiben. Historiker jedoch argumentieren, dass es für diese Deutung keine belastbaren Belege gibt.
Erstmals schriftlich festgehalten wurde das Lied 1881 in England – Jahrhunderte nach der Großen Pest, was die Pest-Theorie zweifelhaft erscheinen lässt. Die Idee, dass das Lied auf die Epidemie anspielt, entstand vermutlich erst in der Mitte des 20. Jahrhunderts, lange nach seiner ersten bekannten Veröffentlichung.
Die einfachste Erklärung ist, dass es als ein Kinderspiel mit Gesang begann. Solche Spiele waren im 19. Jahrhundert unter einigen protestantischen Gruppen verboten, was diese Herkunft plausibel macht. Wahrscheinlich entstand das Lied im Deutschland des 18. Jahrhunderts und verbreitete sich über Generationen mündlich weiter.
Im Laufe der Zeit haben sich zahlreiche Varianten der Liedzeilen entwickelt. Diese Vielfalt erschwert es, den genauen Ursprung oder die Bedeutung des Liedes zurückzuverfolgen. Manche Deutungen der Wörter – Rosen, Sträuße, Niesen und Hinfallen – legen zwar eine Pest-Symbolik nahe, doch bleiben diese Spekulationen unbewiesen.
Die wahre Herkunft von „Ringel, Ringel, Reihe“ wird wohl nie vollständig geklärt werden. Am wahrscheinlichsten handelt es sich um ein verspieltes Kinderreimchen und nicht um ein historisches Dokument. Seine anhaltende Beliebtheit zeigt, wie sich mündliche Überlieferungen im Laufe der Zeit weiterentwickeln können.






