Schumanns Paradies und die Peri in Hamburg radikal neu inszeniert – ein Bühnenkunstwerk zwischen Tradition und Provokation
Lutz KühnertSchumanns Paradies und die Peri in Hamburg radikal neu inszeniert – ein Bühnenkunstwerk zwischen Tradition und Provokation
Eine kühne Neuinszenierung von Robert Schumanns Das Paradies und die Peri feierte am 14. Oktober 2025 an der Hamburgischen Staatsoper Premiere. Unter der Regie von Tobias Kratzer wurde das Oratorium mit markanten zeitgenössischen Elementen neu interpretiert – eine Mischung aus Gesellschaftskritik und avantgardistischer Bühnenkunst. Das Publikum reagierte begeistert auf die grenzen sprengende Aufführung.
Das auf einer orientalischen Erzählung aus Thomas Moores Lalla Rookh basierende Oratorium erzählt von Peri, einem engelhaften Wesen, das nach einem Geschenk sucht, um ins Paradies zu gelangen. In dieser Inszenierung verließ Peri – verkörpert von Vera-Lotte Boecker – die Bühne, stieg ins Parkett hinab und setzte sich zu einer weinenden Zuschauerin. Ihre Empathie wurde zum Schlüssel zum Paradies, symbolisiert durch das Öffnen der Bühnentür.
Regisseur Tobias Kratzer und Bühnenbildner Rainer Sellmaier verlegten die Handlung in einen modernen Krieg, in dem die Figuren dem Alltagsleben entlehnt sind. Die Inszenierung umfasste chaotische Tänzerbewegungen, herabfallende Stoffballen und pantomimisch dargestellte Körpergeräusche – Keuchen, Erbrechen, Defäkieren –, um Themen wie Exzess und Körperlichkeit zu evozieren. Der sterbende Jüngling, ein schwarzer Mann, der sich einem Anführer widersetzte, verlieh der Handlung eine zusätzliche politische Dimension.
Omer Meir Wellber, der neue Generalmusikdirektor, dirigierte das Philharmonische Staatsorchester Hamburg mit schwungvoller Energie. Herausragende Solisten wie Eliza Boom, Kai Kluge und Christoph Pohl trugen mit ihrer Präsenz zur Intensität der Produktion bei. Die Premiere ist Teil einer Reihe innovativer Musiktheaterabende, zu denen im Februar auch Monster's Paradise von Olga Neuwirth und Elfriede Jelinek zählen wird.
Kratzer, seit Kurzem Intendant der Hamburgischen Staatsoper, möchte das Haus für die vielfältige Stadtgesellschaft öffnen. Diese Inszenierung markiert einen Schritt in diese Richtung – eine Verbindung von klassischer Tradition mit drängenden zeitgenössischen Themen.
Die Premiere von Das Paradies und die Peri vereinte Schumanns Oratorium aus dem 19. Jahrhundert mit radikaler moderner Bühnenkunst. Die begeisterte Reaktion des Publikums unterstrich die Wirkung der Produktion. Künftige Aufführungen, darunter Monster's Paradise, werden diese Symbiose aus Tradition und Innovation an der Hamburgischen Staatsoper fortsetzen.






