27 April 2026, 00:37

Warum die Kritik am Neoliberalismus seit den 1970ern an Schwung verlor

Plakat mit fetter schwarzer Schrift auf einem weißen Hintergrund, eingerahmt von einem schmalen schwarzen Rand, mit der Aufschrift "Maganomics: Ein Wirtschaftsplan, der drei Dinge tut: Steuern für die Reichen und große Unternehmen weiter senken."

Warum die Kritik am Neoliberalismus seit den 1970ern an Schwung verlor

Krise der Kritik: Warum der Widerstand gegen den Neoliberalismus seit den 1970ern an Fahrt verlor

Die neue Essaysammlung Krise der Kritik untersucht, warum sich die Opposition gegen den Neoliberalismus seit den 1970er-Jahren nur schwer durchsetzen konnte. Die Herausgeber des Bandes argumentieren, dass das Verständnis der Schwächen seiner Kritiker entscheidend ist, um die gesellschaftlichen Umbrüche der vergangenen Jahrzehnte zu begreifen. Die Beiträge hinterfragen dabei gängige Annahmen über den Niedergang systemischer Kritik und den Aufstieg eines konsumorientierten Protests.

Die Proteste von 1968 gelten häufig als Wendepunkt, in dem die Kritik am Konsumverhalten in den Mittelpunkt rückte. Doch die Essays zeigen, dass diese Kritik nie vollständig von einer breiteren Kapitalismuskritik getrennt war. Selbst während des Nachkriegbooms speisten sich Unzufriedenheit mit Konsummustern und systemische Argumentationslinien gegenseitig.

Das Buch unterteilt die Forschung zum Neoliberalismus in zwei zentrale Stränge: einen, der sich mit strukturellen Verschiebungen im Kapitalismus befasst, und einen anderen, der die ideengeschichtliche Entwicklung neoliberaler Konzepte nachzeichnet. Roman Kösters Analyse verdeutlicht, wie umstritten und oft fragmentiert der Begriff selbst bleibt. Sein Gebrauch, warnt er, könne die Kritik auf eine spezifische Spielart verengen – statt die tieferliegenden wirtschaftlichen Strukturen in den Blick zu nehmen.

Benjamin Möckels Beitrag verkompliziert diese Erzählung weiter, indem er aufzeigt, wie Konsum- und Systemkritik seit Langem miteinander verwoben sind. Die Gründung der Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) in den 1990er-Jahren veranschaulicht diese Spannung: Statt eine antikapitalistische Opposition zu beleben, verband die PDS identitätspolitische Ansätze mit keynesianischer Wirtschaftspolitik – und verdrängte damit radikale ökonomische Alternativen.

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Flemming Falz' Essay fügt eine weitere Ebene hinzu und demonstriert, wie sozialdemokratische und linksliberale Akteure neoliberale Reformen oft als pragmatische Lösungen für Krisen übernahmen. Diese Anpassung, so die These des Bandes, schwächte den breiten Widerstand. Das Scheitern der Linken, eine schlagkräftige Gegenoffensive zu formulieren, ermöglichte es dem Neoliberalismus, jahrzehntelang die globale Politik zu dominieren.

Die Essays in Krise der Kritik legen nahe, dass der Kampf gegen den Neoliberalismus durch zersplitterte Analysen und strategische Fehltritte behindert wurde. Indem die Sammlung das Wechselspiel zwischen Konsum- und Systemkritik nachzeichnet, bietet sie eine klarere Erklärung dafür, warum Oppositionsbewegungen an Dynamik verloren. Die Erkenntnisse deuten darauf hin, dass zukünftige Herausforderungen der neoliberalen Vorherrschaft nur mit kohärenteren Kritikansätzen gelingen können.

Quelle