31 May 2026, 00:22

Wie die Gastarbeiter-Generation heute mit Einsamkeit und psychischen Belastungen kämpft

"Kartonwand": Fatih Çevikkollus Lesen über Migration und psychologische Spuren im Alter

Wie die Gastarbeiter-Generation heute mit Einsamkeit und psychischen Belastungen kämpft

Vor mehr als sechs Jahrzehnten warb Deutschland ausländische Arbeitskräfte an, um die Lücken auf dem Arbeitsmarkt nach dem Zweiten Weltkrieg zu schließen. Darunter waren auch die Eltern des Komikers Fatih Çevikkollu, die aus der Türkei mit der Absicht einreisten, später in ihre Heimat zurückzukehren. Doch durch politische Änderungen in den 1970er-Jahren blieben viele von ihnen – darunter auch seine Familie – dauerhaft in Deutschland.

Çevikkollus Vater, ein gelernter Schlosser, und seine Mutter, eine Grundschullehrerin, kamen im Rahmen des Gastarbeiter-Programms nach Deutschland. Eigentlich geplant war nur ein vorübergehender Aufenthalt, doch am Ende bauten sie sich ein neues Leben in ihrer Wahlheimat auf. Die deutsche Regierung strich ihr sogenanntes „Rückkehrprinzip“ – das davon ausging, dass die Arbeitsmigranten irgendwann wieder ausreisen würden – in den 1970er-Jahren wegen anhaltenden Fachkräftemangels.

Für seine Mutter hatte die Auswanderung berufliche Konsequenzen: In der Türkei noch als Lehrerin tätig, arbeitete sie in Deutschland als Näherin. Dieser Bruch könnte später zu ihren psychischen Problemen beigetragen haben. Im Alter litt sie unter Einsamkeit und psychotischen Symptomen – ein Schicksal, das viele ältere Migrantinnen und Migranten teilen.

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Fachleute betonen heute die Notwendigkeit kultursensibler Betreuung für diese Gruppe. Unterschiedliche Vorstellungen von Krankheit – zwischen westeuropäischen und migrantischen Gemeinschaften – können in der Therapie zu Hindernissen führen. Therapeutinnen und Therapeuten werden dazu aufgerufen, offener und interkultureller zu arbeiten, um die Kommunikation und Unterstützung zu verbessern. Der Ausbau solcher Angebote bleibt ein zentrales Ziel in der psychischen Gesundheitsversorgung.

Die Erfahrungen älterer Migrantinnen und Migranten wie der Mutter von Fatih Çevikkollu zeigen die Lücken im deutschen Gesundheitssystem auf. Einsamkeit und kulturelle Missverständnisse verschärfen oft die psychischen Belastungen. Um diese Probleme zu bewältigen, sind mehr Fortbildungen für Fachkräfte und ein besserer Zugang zu interkulturellen psychologischen Dienstleistungen nötig.

Quelle