07 April 2026, 10:30

Italienische Arbeiter im NS-Staat: Von freiwilliger Migration zur brutalen Zwangsarbeit

Detailierte Karte der Schlachtrouten der Italienischen Armee im Ersten Weltkrieg, die Städte, Ortschaften, geografische Merkmale und mit Soldatennamen und Datumsangaben annotiert zeigt.

Italienische Arbeiter im NS-Staat: Von freiwilliger Migration zur brutalen Zwangsarbeit

Zwischen den späten 1930er-Jahren und 1945 wanderten Zehntausende Italiener nach Deutschland aus – zunächst als Saisonarbeiter, später als dringend benötigte Industriearbeitskräfte. Ihre Ankunft fiel in eine Zeit, in der das nationalsozialistische Deutschland mit massivem Arbeitskräftemangel kämpfte. Doch trotz ihrer Beiträge wurden viele von ihnen hart behandelt, insbesondere nach dem Seitenwechsel Italiens im Zweiten Weltkrieg.

Vor den 1930er-Jahren blieb die italienische Migration nach Deutschland begrenzt. Sprachliche Barrieren, wirtschaftliche Instabilität und schlechte Arbeitsbedingungen hielten die Zahlen niedrig. Das änderte sich, als das NS-Regime sich auf den Krieg vorbereitete und dringend Arbeitskräfte in Fabriken und in der Landwirtschaft benötigte.

Bis 1941 hatte der Angriff auf die Sowjetunion in Deutschland einen Mangel von 300.000 Arbeitskräften hinterlassen. Italienische Arbeiter wurden gezielt angeworben, um die Lücke zu schließen. Viele kamen zunächst freiwillig – einige lockten wirtschaftliche Chancen, andere die faschistische Ideologie. Wieder andere folgten einem politischen Abkommen zwischen den beiden Regimen.

Die Haltung des NS-Regimes gegenüber den Italienern war zwiespältig. Einerseits galten sie als nützliche politische Verbündete, andererseits wurden sie als "rassisch unerwünscht" und "nicht-arisch" eingestuft. Diese Ambivalenz prägte ihren Alltag in Deutschland.

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Alles änderte sich 1943. Nach dem Frontwechsel Italiens im Krieg besetzten deutsche Truppen das Land und nahmen über 600.000 italienische Soldaten gefangen. Diese Männer wurden zu "Italienischen Militärinternierten" (IMI) erklärt, ihrer Rechte beraubt und zur Zwangsarbeit gezwungen. Viele von ihnen wurden in für die deutsche Kriegswirtschaft entscheidenden Industrien eingesetzt.

Die meisten IMI kehrten nach Kriegsende nach Italien zurück. Einige jedoch blieben – aus persönlichen Bindungen, die sie in Deutschland geknüpft hatten, oder aus praktischen Gründen. Wer blieb, sah sich oft weiter Vorurteilen ausgesetzt. Selbst in den 1950er- und 1960er-Jahren erlebten italienische Migranten in Deutschland noch Herablassung und Diskriminierung, und antitalienische Ressentiments hielten sich bis in die 1980er-Jahre hinein.

Die Geschichte der italienischen Arbeiter im nationalsozialistischen Deutschland steht für wirtschaftliche Notwendigkeit und politische Ausbeutung zugleich. Viele kamen als freie Arbeitskräfte, endeten aber als Zwangsarbeiter unter harten Bedingungen. Ihre Erfahrungen hinterließen Spuren in den italienisch-deutschen Beziehungen und prägten, wie spätere Migrantengenerationen im Nachkriegsdeutschland aufgenommen wurden.

Quelle