Pflegefinanzierung: Warum Experte Werding gegen höhere Lasten für Kinder warnt
Lutz KühnertPflegefinanzierung: Warum Experte Werding gegen höhere Lasten für Kinder warnt
Der Wirtschaftsexperte Martin Werding hat sich gegen Pläne ausgesprochen, nach denen erwachsene Kinder früher und in höherem Maße für die Pflege ihrer Eltern aufkommen sollen. Seiner Meinung nach könnte eine solche Regelung ältere Menschen davon abhalten, überhaupt Sozialleistungen in Anspruch zu nehmen. Seine Äußerungen fallen in eine Phase, in der die Bundesregierung die Finanzierung der Pflege neu bewertet.
Werding betonte, dass erwachsene Kinder bereits jetzt einen beträchtlichen Teil der Pflegekosten ihrer Eltern tragen. Diese private Unterstützung entlaste das staatliche Pflegesystem erheblich, so der Ökonom. Seine Warnung erfolgt vor dem Hintergrund von Diskussionen über eine Verschärfung der finanziellen Verpflichtungen für Familien.
Statt die Belastung für Kinder zu erhöhen, schlug Werding vor, den Zuschlag für kinderlose Versicherte in der Pflegeversicherung anzuheben. Zudem regte er an, die Regeln für höhere Beiträge von Menschen ohne oder mit sehr wenigen Kindern auszuweiten. Solche Änderungen würden die Kosten gerechter verteilen, argumentierte er.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken prüft derzeit eine Erhöhung des Kinderlosenzuschlags von 0,6 auf 0,7 Prozent. Der Vorschlag geht in die von Werding geforderte Richtung, bleibt aber hinter seinen weitergehenden Empfehlungen zurück.
Im Mittelpunkt der Debatte steht die Frage, wie die Pflege langfristig finanziert werden kann, ohne dass Senioren davon abgehalten werden, notwendige Hilfe in Anspruch zu nehmen. Werdings Vorschläge zielen darauf ab, die Beiträge kinderloser Versicherter anzupassen, statt Familien stärker zu belasten. Jede Änderung müsste jedoch zunächst vom Parlament beschlossen werden, bevor sie in Kraft treten kann.






