Mona Neubaur fordert strengere Gesetze gegen Deepfake-Missbrauch nach Fall Collien Fernandes
Traude KlappMona Neubaur fordert strengere Gesetze gegen Deepfake-Missbrauch nach Fall Collien Fernandes
Mona Neubaur, stellvertretende Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, hat sich zu der dringenden Notwendigkeit strengerer Gesetze gegen den Missbrauch von Deepfakes geäußert. Ihre Äußerungen folgen auf die öffentlichen Schilderungen der Schauspielerin Collien Fernandes über digitale Gewalt, zu denen auch gefälschte pornografische Inhalte und Online-Belästigung gehörten. Neubaur lobte Fernandes für ihren Mut, an die Öffentlichkeit zu gehen, kritisierte zugleich aber die zögerliche Umsetzung von Rechtsreformen.
Fernandes reichte Ende 2025 eine 40-seitige Beschwerde beim Amtsgericht Palma de Mallorca ein. In dem Verfahren wirft sie ihrem Ex-Mann, Christian Ulmen, Identitätsdiebstahl, virtuelle Vergewaltigung durch Deepfake-Profile, öffentliche Beleidigungen und wiederholte Drohungen vor. Obwohl es in Spanien keine spezialisierten Gerichte für digitale Gewalt gibt, entschied sich Fernandes, den Fall dort zu verhandeln – in der Überzeugung, dass das spanische Rechtssystem die Angelegenheit effektiver behandeln würde als das deutsche.
Neubaur wies auf gravierende Lücken in den aktuellen Gesetzen hin und argumentierte, dass digitale und physische Gewalt im Sexualstrafrecht gleichgestellt werden müssten. Sie schlug vor, spezialisierte Gerichte für Fälle sexualisierter Gewalt – sowohl online als auch offline – nach spanischem Vorbild einzurichten. Solche Gerichte, so Neubaur, würden die juristische Bearbeitung von Deepfake-Straftaten beschleunigen, die längst keine Einzelfälle mehr seien, sondern eine wachsende Bedrohung darstellten.
Die stellvertretende Ministerpräsidentin betonte zudem, dass Fernandes' Entscheidung, öffentlich zu sprechen, ein starkes Signal an andere Betroffene sende. Durch ihre rechtlichen Schritte habe Fernandes die Aufmerksamkeit auf die Notwendigkeit schnellerer Reformen und besseren Schutzes vor digitaler Gewalt gelenkt.
Der Fall hat Forderungen nach gesetzlichen Änderungen ausgelöst, wobei Neubaur auf rascheres Handeln drängt, um bestehende Schlupflöcher zu schließen. Während die spanischen Gerichte erste Ermittlungen eingeleitet haben, gibt es bisher noch keine spezialisierten Strukturen für Deepfake-Fälle. Fernandes' Klage könnte nun einen Präzedenzfall dafür schaffen, wie digitale Gewalt in künftigen Rechtsstreitigkeiten behandelt wird.






