Bergisch Gladbach diskutiert umstrittenes Hochhaus-Projekt mit "Bau-Turbo"-Schnellverfahren
Bergisch Gladbach diskutiert umstrittenes Hochhaus-Projekt mit "Bau-Turbo"-Schnellverfahren
Ein Projektentwickler hat in Bergisch Gladbach ein großes Wohnbauvorhaben vorgeschlagen, das mithilfe der deutschen "Bau-Turbo"-Schnellverfahren die üblichen Planungsauflagen umgehen soll. Das Projekt sieht eine der größten Neubauten der Region auf Parkplätzen neben dem Einkaufszentrum Strundepark vor. Die Stadtverwaltung wird die Pläne am 5. März beraten, die endgültige Entscheidung liegt beim Ausschuss für Stadtplanung.
Das Vorhaben umfasst ein achtgeschossiges Gebäude mit einer Länge von 100 bzw. 50 Metern und einer Höhe von 26 Metern. Es soll eine oberirdische Parkebene, vier Stockwerke mit gemischter Wohn- und Gewerbenutzung sowie zwei versetzte Obergeschosse umfassen. Der Entwurf teilt das Bauwerk in zwei Flügel, die nur durch eine 220 Jahre alte Blutbuche und einen Transformator getrennt werden.
Nach geltendem Recht würde das Projekt aufgrund seiner Größe und der Wohnnutzung in einem Gewerbegebiet normalerweise abgelehnt. Der Entwickler stützt sich jedoch auf das "Bau-Turbo"-Verfahren, das bereits in anderen deutschen Städten Wohnprojekte beschleunigt hat. Köln genehmigte damit sein erstes Vorhaben, das Holzbauquartier Raderthal, mit rund 200 Wohneinheiten. Frankfurt nutzt das Schnellverfahren für große Umnutzungen wie den Römerhof (1.500 geplante Wohnungen) und das Lurgi-Gelände (1.000+ Wohnungen). Düsseldorf hat zudem eine Gewerbe-zu-Wohnumwandlung in Heerdt bewilligt, weitere Projekte an Kennedydamm, Seestern und einem ehemaligen Gemeinschaftszentrum in Eller werden geprüft.
Die Bebauung erstreckt sich vom Kreisverkehr am Ende der Hauptstraße entlang der Körtener Straße bis fast zum zweiten Zugang des Gewerbegebiets Strundepark/Lochermühle. Die städtischen Richtlinien sehen vor, dass der "Bau-Turbo" in Gewerbegebieten wie Lochermühle nicht angewendet werden sollte. Die Genehmigung eines 26 Meter hohen Gebäudes könnte einen Präzedenzfall schaffen und künftige Ablehnungen ähnlicher Projekte erschweren.
Der Ausschuss für Stadtplanung wird entscheiden, ob er das Vorhaben genehmigt, modifiziert, verkleinert oder ablehnt. Bei einer Zustimmung könnte das Projekt die Bebauungsstandards in der Region neu definieren. Die Entscheidung wird auch zeigen, wie Bergisch Gladbach das "Bau-Turbo"-Verfahren in der Praxis anwendet.
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