Überweisungssystem für Fachärzte: Warum Milliarden die Wartezeiten nicht verkürzen

Reza Hendriks
Reza Hendriks
2 Min.
Eine Person zeigt auf ein GPS-Gerät auf dem Armaturenbrett eines Autos, umgeben von Gebäuden, Bäumen und einem klaren blauen Himmel.Reza Hendriks

Überweisungssystem für Fachärzte: Warum Milliarden die Wartezeiten nicht verkürzen

Deutschlands Überweisungssystem für Facharztbehandlungen gerät unter Druck

Nach Berichten über Missbrauch und steigende Kosten steht das deutsche Überweisungssystem für Facharzttermine in der Kritik. Eine aktuelle Nachrichten zeigt, dass sich viele Hausärzte gezwungen fühlen, dringende Überweisungen ohne ausreichende medizinische Begründung auszustellen. Kritiker werfen den aktuellen Regelungen vor, trotz Milliarden-Mehrausgaben die Wartezeiten nicht verkürzt zu haben.

Die heutigen Überweisungsrichtlinien wurden 2019 mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) eingeführt. Seitdem sind die durchschnittlichen Wartezeiten für nicht dringende Facharzttermine von 33 Tagen im Jahr 2019 auf 42 Tage bis 2024 angestiegen. Trotz zusätzlicher Ausgaben von 2,9 Milliarden Euro stellte der Bundesrechnungshof keine Verbesserung der Versorgung fest – im Gegenteil: Die Wartezeiten verlängerten sich sogar.

Mehr als 750 von 800 bundesweit befragten Hausärzten berichteten, dass Fachärzte unberechtigt auf dringende Überweisungen drängen. Allein in Nordrhein-Westfalen sahen sich über 200 Hausärzte mit Forderungen nach unnötigen Schnellterminen konfrontiert. Einige Fachärzte geben zu, Dringlichkeitscodes und Nachrichten aktuell zu nutzen, um ihre Einnahmen aufzubessern.

Der Spitzenverband der Fachärzte (SpiFa) räumt ein, dass Überweisungsanweisungen zwar rechtmäßig sind, wenn sie medizinisch begründet werden – sie könnten jedoch ausgenutzt werden. Hausärzte dürfen gesetzlich keine dringenden Überweisungen allein ausstellen, um Wartezeiten zu umgehen. Dies führt zu Konflikten, wenn Patienten ohne echten medizinischen Bedarf den Zugang zu Schnellterminen verweigert wird.

Die Mehrheit der Hausärzte hält das System für echte Notfälle zwar für funktionierend, kritisiert aber die finanzielle Schieflage: Fachärzte profitieren demnach stärker als die primärversorgenden Ärzte. Nun fordern der GKV-Spitzenverband und der Bundesrechnungshof, die aktuellen Regelungen abzuschaffen – mit der Begründung, die hohen Kosten brächten keinen messbaren Nutzen.

Die Debatte offenbart die Spannungen zwischen Kostendämpfung, gerechtem Zugang und finanziellen Anreizen im deutschen Gesundheitssystem. Da es keine Belege dafür gibt, dass die Mehrausgaben die Wartezeiten verkürzt haben, wächst der Druck auf die Politik, das bestehende Überweisungssystem zu reformieren oder abzuschaffen. Hausärzte und Prüfer sind sich einig: Dringende Fälle erhalten zwar weiterhin zeitnahe Behandlung – doch der Preis dafür wird zunehmend infrage gestellt.

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